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Félicie Diaries #9: Dichtestress im Paradies


Die Stromanschlüsse werden knapp

Es ist unübersehbar Hochsaison. Der Hafen Port Joinville auf der île d’Yeu ist schon voll besetzt und immer noch kommen Boote rein. Die Angestellten der Marina in ihren Zodiacs haben alle Hände voll zu tun, die Jachten noch irgendwo zu platzieren. Die Nerven der Bootseigner und Skipper liegen blank und ab und zu fallen auch gehässige Worte von Boot zu Boot. Auch der begehrte Strom wird knapp und wir lernen: in der Hochsaison benötigt man ein sehr langes Stromkabel und mindestens ein Verlängerungskabel sowie einen Adapter mit Doppelstecker. Aber oft reicht nicht mal mehr das, die Stromleistung reicht einfach nicht für so viele Strombezüger.


Wir haben Glück und erhalten einen Platz am Ende eines Pontons. Allerdings gibt es vor uns noch Raum für ein kleines Boot, was dazu führt, dass sich ein grosses Boot in den kurzen Platz reinzwängt und sich ein noch grösseres daneben ins Päckchen legt. Kritische Anlegemanöver, die meistens damit enden, dass alle Beteiligten mit vereinten Kräften die Boote voneinander abdrücken, um Schäden zu vermeiden. Zu uns ins Päckchen legen sich Deutsche mit einer Hallberg Rassy 43 und von da an sind wir auf unserer Steuerbordseite perfekt gegen potentielle Kollisionen manövrierender Yachten geschützt.


Die in der Nebensaison zauberhafte Insel île d’Yeu platzt aus allen Nähten. Durch das kleine Städtchen wälzt sich eine Autokolonne und auch als Fahrradfahrer steht man im Stau. An den Marktständen und in den Geschäften bilden sich lange Schlangen und die Restaurants sind ebenfalls überfüllt. Und weiterhin transportieren die Fähren unablässig hunderte von Feriengästen auf die Insel. Unsere Bootsnachbarn erzählen uns von überfüllten Stränden, von Hundekot im Sand und vom Kampf in der Bäckerei um das letzte halbe Brot. Wir verziehen uns in ein Restaurant, das abseits vom Touristenstrom liegt. Hier muss man nicht um einen Tisch kämpfen und das Essen ist gut und günstig.

Ich bin nicht unglücklich, dass unser nächstes Ziel unser Heimathafen La Rochelle ist. Da macht uns niemand mehr unseren Platz streitig, wir müssen ihn nicht mit jemandem teilen und wir haben einen garantierten Stromanschluss. Wir staunen nicht schlecht, als wir nach der Mole links abbiegen: unser Steg ist fast leer. Alle sind ausgeflogen und kämpfen jetzt wohl irgendwo in einem überfüllten Hafen um einen letzten knappen Anlegeplatz.


Nachbarboot als perfekter Fender

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