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Stürmischer Besuch an Pfingsten


Nach 11 Stunden Autofahrt trafen wir noch bei Sonnenschein in la Rochelle ein. Am Horizont im Süden war bereits ein dunstiges, graues Wolkenband zu sehen. Kurze Zeit später verfinsterte sich der Himmel über uns zusehends und als sich endlich sämtliches Gepäck im Cockpit unserer Félicie staute, fielen die ersten Regentropfen. Schnell fiel der Wind vollends zusammen und es wurde unheimlich still: die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm. Aber erst nach Mitternacht fing der Wind zu heulen an und trieb kräftige Regenschauer vor sich her.

Diese ersten Böen kündigten Sturm «Miguel» an, der kurz vor Pfingsten die französische Atlantikküste besuchte. Er hatte hohe Windgeschwindigkeiten, heftige Böen und hohen Seegang im Gepäck. Alle namhaften Wetterdienste waren sich einig: da kommt was Dickes! Fast stündlich schraubten die Meteoexperten die Prognosen für die Windgeschwindigkeiten hoch: von 8 auf 9 Beaufort und Böenspitzen von 100 auf 130 km/h. Eigentlich ist das für die Biskaya nicht ungewöhnlich, aber nur für die Zeit zwischen Ende September und Ende März. Im Juni hingegen ist es ein äusserst seltenes Phänomen. Gemäss Meteo France muss man 30 Jahre zurückgehen, um einen ähnlichen Sturm zu dieser Jahreszeit zu finden. Die Ursache für «Miguel» ist gemäss den Experten eine Anomalie im Jetstream, der zurzeit kühle Luft aus Norden ungewöhnlich tief in den Süden transportiert. Dort trifft sie auf heisse Luft aus Nordafrika und die Temperaturunterschiede erzeugen eine starke Energie, die sich in Form von kräftigen Stürmen entlädt.

Trotz heftigen Böen von 50 bis 65 Knoten hielten sich die Schäden im Hafen von la Rochelle in Grenzen. Über Funk hörten wir von einem Schiff, das sich losgerissen hatte und bei einem Stegnachbar löste sich ein Segel und riss. Sonst haben wir nichts mitbekommen. Aber wirklich gemütlich war es nicht. Es hatte ziemlich Seegang im Hafen und die Boote krängten im tobenden Wind. Ganz so glimpflich ist der stürmische Besuch von «Miguel» allerdings nicht überall abgelaufen. Für drei Seenotretter nahm der Sturm einen tödlichen Ausgang. Sie versuchten, einem Fischer vor der Küste von Sables d’Olonne zu Hilfe zu kommen und bezahlten mit dem Leben. Das Fischerboot ist

verschollen...

Zugbahn von Sturm Miguel mit Windprognosen

gemessene Windgeschwindigkeit in Knoten (Durchschnittsgeschwindigkeit rote Linie; Böenspitzen graue Linien)

Verlauf Luftdruck in Hektopascal



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